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Chronik

  • Frühe Musik in unserer Gemeinde

    Einer Gemeindeabrechnung des Jahres 1829 ist zu entnehmen – die Gemeinde nannte sich nach ablegen des alten Namens „Stanzerthal“ nunmehr für wenige Jahre St. Jakob – „daß der Musikanten Formation für alle ihre Bemühungen an Festtagen und Prozessionen 8 Gulden“ zur Auszahlung gelangt sind – ebenso erhielten die „Schützen und Fahnenträger“ einen Betrag von 3 Gulden; Mehr Hinweise auf den Bestand einer Musikformation gibt es keine und so bleiben die weiteren musikalischen Tätigkeiten unserer Vorfahren im Dunkeln.

     

    Ein weiterer Hinweis auf den Bestand einer Musikkapelle in unserem Dorf ist der „Verkehrsgeschichte des Arlberg “ von 1899 zu entnehmen - „Am 3. Oktober 1855 wurde Erzherzog Karl Ludwig als Statthalter von Tirol und Vorarlberg mit einem kostbaren gezierten Triumpfbogen an der Landesgrenze vom Kreispräsidenten Parth mit der Schützenkompanie und dem Musikverein Nasserein feierlichst empfangen. Die weiteren Spuren dieses „Musikvereines“ verlieren sich ebenfalls im Dunkeln.

     

    Der Bestand einer weiteren Musikkapelle in unserem Dorf ist der Chronik der Musikkapelle Pettneu zu entnehmen, darin wird der Bestand einer Tunnelmusikkapelle (Banda) im Umfeld des Baues des Arlbergtunnels (1880 bis 1884) genannt, die auf Betreiben der Bauleitung gegründet wurde. Nach Beendigung der Bautätigkeit nützten die Pettneuer die Gunst der Stunde und baten Ing. Ceconi von der Bauleitung um Überlassung dieser Instrumente, was auch bewilligt wurde und so 1884 zur Gründung der Musikkapelle Pettneu führte.

  • Gründung und erste Jahre 1900/1901 bis 1911

    Das Gründungsjahr der Musikkapelle St. Anton fällt auf das Jahr 1900. In den Herbstmonaten des Jahres 1900 hat sich Josef Schneider, seines Zeichens Telegraphenmeister in St. Anton am Arlberg, mit einer Gruppe von 30 junger und musikbegeisterter Burschen aus St. Anton und St. Jakob zusammengefunden und ihnen das Notenlesen beigebracht. Im Frühjahr 1901 st der Musikverein Nasserein unter Kapellmeister Thönig aus Innsbruck mit zwei gelernten Märschen das 1. Mal zum Spielen ausgerückt. Bereits 1902 zeigen sich unsere Musikanten auf einem Foto vor dem Gasthof Goldenem Kreuz in ihrer ersten Tracht, die damals als "Original Andreas Hofer Tracht“ betitelt wurde. Ein von 1902 erhalten gebliebenes Marschbuch beinhaltet neben der Volkshymne und zwei Trauermärschen bereits schon 25 verschiedene Märsche, wobei auch mehrere Marschkompositionen von Kapellmeister Thönig gespielt wurden. (Gruß an St. Anton, St. Antoner Skiclub Marsch). Kapellmeister Josef Thönig leitete im Bezirk Landeck mehrere Musikkapellen und hatte die Musikkapelle Nasserein bis zum Jahre 1904 unter sich. Ihm folgte bis zum Jahre 1906 Oberlehrer Bernhard Thöni aus St. Anton, der dann vom St. Jakober Lehrer Josef Falch abgelöst wurde und die Kapelle bis 1910 leitete.

    Am 9. August 1903 hat die Musikkapelle auch ihren ersten Ausflug unternommen und dieser wurde in Form einer Wallfahrt abgehalten. Mit dem Zug fuhren St. Antoner Bürger in Begleitung ihrer Musikkapelle durch den Arlberg hinüber nach Langen um von dort zu Fuß samt den Instrumenten über den Arlberg nach St. Christoph zu pilgern. Auf dem Heimweg nach St. Anton wurde am „Kaltegg“ diese „musikalische Pilgerreise“ fotografisch festgehalten.

     

    Am 29.August 1909 nahmen die Musikkapelle und die Schützenkompanie Nasserein am Jubiläumsfestzug „Andreas Hofer“ anläßlich des Gedenkens an die Tiroler Freiheitskämpfe 1809 in Innsbruck teil. (ebenso 1934, 1959, 1984) Vom Gründungsjahr 1900 bis zum Jahre 1912 war Hotelier Karl Schuler Obmann der Musikkapelle, auf dessen Initiative die Gründung der Musikkapelle auch zurückzuführen ist.

  • Trennung und erster Weltkrieg (1911 - 1918)

    Im Herbst des Jahres 1911 erfolgte nach verschieden Unstimmigkeiten die Trennung des Musikvereines Nasserein in die nunmehr eigenständigen Musikkapellen St. Anton und St. Jakob. Die erste Generalversammlung nach der Trennung fand am 16. Juni 1912 im Gasthof Goldenes Kreuz statt und wurde vom Proponenten Carl Schuler einberufen und die neue Vereinsleitung und der Ausschuß wurden gewählt. 1912 zählte die Musikkapelle St. Anton 32 Musikanten und 110 unterstützende Mitglieder. Ein Waldfest in der Au brachte bereits einen Gewinn von 482 Kronen. Der Verein finanzierte sich in diesen Jahren aus den Beiträgen der unterstützenden Mitglieder und aus Einnahmen von Konzerten in den Gasthäusern Hotel Post, Schwarzer Adler, Goldenes Kreuz und Arlberg, wobei im Protokoll festgehalten wurde, daß den Musikanten für ein einstündiges Konzert 2 Biermarken und für ein dreistündiges Konzert 4 Biermarken zur Verfügung standen. Die Gelder des Vereines wurden in einer Vereins- und Reservekasse verwaltet. Am 23.6.1912 unternahm die Musikkapelle St. Anton einen Tagesausflug nach Bludenz, wobei jedem Musikanten mindestens die Fahrt und 1 Krone Zehrgeld von Vereinswegen garantiert wurde.

     

    Josef Hörburger, Postmeister in St. Anton, leitete die Kapelle St. Anton von 1910 bis 1914.Während des 1. Weltkrieges dürfte die Musikkapelle nicht aktiv gewesen sein, da viele Musikanten zum Kriegsdienst eingezogen wurden. 1917 machte Kaiser Karl I bei seiner Durchfahrt nach Feldkirch Station in St. Anton und wurde von der Bevölkerung und den Honoratioren herzlich willkommen geheißen. Ob dies auch musikalisch geschehen ist, läßt sich nicht mehr feststellen. Von 135 eingerückten Männern sind insgesamt 42 gefallen. Die Gemeinde zählte zu Kriegsanfang 1120 Einwohner.

  • Zwischenkriegszeit (1918 - 1938)

    Nach dem 1. Weltkrieg wird die Musikkapelle von Gründungsmitglied Emil Dellasega wieder reaktiviert und er übernahm auch provisorisch die Kapellmeisterstelle bis zum Jahre 1920. Von 1912 bis 1920 scheint Herr Ing. Zinkl, Streckenleitungsmeister der ÖBB, als Obmann auf. 1921 übernimmt Franz Gallner aus Tosters bei Feldkirch die Stelle des St. Antoner Kapellmeisters. Franz Gallner komponierte viele Märsche, Walzer und Polkas für unsere Musikkapelle und ist zu den Proben und Ausrückungen immer eigens nach St. Anton gekommen. In den Nach-kriegsjahren hat sich die Musikkapelle auch eine zweite Uniform für kleinere Ausrückungen angeschafft – diese zeigt die Musikanten in langer Hose, grauen Joppen und einen Hut mit Feder, einer sogenannten „Werktagstracht“

     

    Im Jahre 1920 hat Walter Schuler die Musikkapelle als neuer Obmann übernommen und bis zum Jahre 1932 geführt. Ebenfalls seit dem Jahre 1920 gibt es Marketenderinnen bei der Musikkapelle St. Anton und Strolz Emma und Hedwig waren die ersten beiden Mädchen, die sich für diese neue Tätigkeit zur Verfügung stellten. Ebenfalls lassen sich seit den zwanziger Jahren die Ausrückungen am 1. Mai nachvollziehen, welche bis heute noch Tradition haben. 1926 wurde das 25 jährige Gründungsjubiläum im Gasthof Post gebührend gefeiert und im Kassabuch sind dafür Einnahmen von S 265,-- und Ausgaben von S 386,-- eingetragen. 12 Gründungsmitglieder konnten für ihre 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt werden. Die Anschaffung einer dritten als „Nationaltracht“ bezeichneten Tracht fällt in das Jahr 1927. Dem Kassabuch 1927 ist zu entnehmen, daß diese bei der Firma Gröbner in Innsbruck angeschafft wurde und damals S 9.033,-- gekostet hat. Finanziert wurde diese Anschaffung durch den Reingewinn beim Waldfest in Höhe von S 2.655,-- , die Gemeinde bezahlte S 1.000,-- und der Rest wurde durch ein Darlehen finanziert. Aber auch viele Gönner dieser Zeit unterstützen die Musikkapelle und hier ist vor allem Gemeindearzt Dr. Alfons Santeler zu nennen. Auch die Musikkapelle St. Jakob hat in diesem Jahr dieselbe Tracht angeschafft und trägt diese in etwas verkürzter und geänderter Form noch heute. 1927 wechselte die Gemeinde noch einmal ihren Namen und hieß nunmehr endgültig Gemeinde St. Anton am Arlberg. Josef Kasinger hat im Jahre 1930 Franz Gallner als Kapellmeister abgelöst und die Kapelle bis zum „politischen Umsturz“ 1938 geleitet. Er war Gemeindesekretär von St. Anton und hat diese Stelle nur bekommen, da er auch bereit war, die Kapellmeisterstelle mit zu übernehmen. 1930 nahm man am Turnfest in Bludenz teil, ein zweitages Ausflug 1932 führte die Musikanten in die Schweiz nach Arosa, und 1935 nahm die Musikkapelle unter Kapellmeister Kasinger an Wertungsspielen in Hatting und 1936 in Inzing teil, wobei jeweils ein I Rang erspielt werden konnte.

  • Auch an einem Musikfest in Haiming wurde 1936 teilgenommen. Im Vereinsjahr 1934/1935 zählte man 38 Ausrückungen und 61 Musikproben und 6 Jungmusikanten standen in Ausbildung. Kapellmeister Kasinger zeichnete ebenfalls eine hohe Musikalität aus, leider verlieren sich seine Spuren nach der Entlassung aus dem Gemeindedienst 1938. Ende der zwanziger Jahre wurde vom Fotografen Schubert auch die ersten Ansichtskarten unserer Musikkapelle angefertigt, die den Zuhören bei den Konzerten auch zum Kauf angeboten wurden und selbst beim einem Konzert am 23.8.1928 auf der Ulmerhütte großen Absatz fanden. Reges Vereinsleben herrsche auch in Bezug auf die Durchführung von Vereinsveranstaltungen und so wurde jährlich ein Musikball und ein Faschingsball abgehalten und auch ein Rodelrennen vom „Waldhäusli“ waren ein fixe Veranstaltung im Jahreskreis der Musikkapelle St. Anton. Unvergessen geblieben sind auch bis heute auch die vielen Waldfest in der Au, die als Höhepunkt des Sommers galten und fröhliche Abwechslung in die arbeitsreichen Tage brachten. Reingewinn eines Waldfestes 1930 S 1.201,--. Zur Tradition in dieser Zeit gehörte es auch, daß die Musikanten aus St. Anton hin und wieder beim „Stubner Kirchtag“ Anfang September aufspielten und auch dort nicht selten erst in den frühen Morgenstunden wieder zu Fuß über den Arlberg nach St. Anton zurückkehrten. Am 19.12.1937 wurde die Galzigbahn eröffnet und dem Tiroler Anzeiger ist zu entnehmen – die spielfreudige Musikkapelle St. Anton umrahmte diese Feierlichkeit mit ihrem herzhaften Spiel und zu den weihevollen Klängen „Die Himmel rühmen“ wurde vom Ortspfarrer die kirchliche Weihe vorgenommen. Zu dieser Zeit bestand die Musikkapelle St. Anton aus 39 aktiven Mitgliedern. Skipionier Hannes Schneider , Obmann der Musikkapelle seit 1932 hatte diese Stelle bis zum „politischen Umsturz 1938“ inne. Auf Grund dieser Entwicklungen wurde Hannes Schneider und seine Familie 1938 gezwungen, St. Anton zu verlassen und die USA wurde ihre neue Heimat.

  • Zweiter Weltkrieg (1938 - 1945)

    1938 wurde der Musikverein aufgelöst, ist aber 1939 im Auftrage des nunmehr kommissarisch eingesetzten Bürgermeisters von Emil Dellasega wieder provisorisch aufgerichtet worden. Obmann während der Kriegszeit war Ernst Glos. 1940 nahm die Kapelle an einem Festumzug für den „Führer“ in Innsbruck teil. Es folgten noch Ausrückungen und Konzerte bei einer Schießstandfeier in St. Anton am 14.6.1943 – 51 Viertel Rotwein wurden lt. Kassabuch getrunken – sowie die Teilnahme am Kreisschießen in Landeck und der Auftritt bei einem Verwundetenbesuch im Krankenhaus Zams am 22.6.1943. Die Stelle des provisorischen Kapellmeisters hatte zeitweise wieder Franz Gallner und Dellasega Emil inne. In den späteren Kriegsjahren wurden die Musikvereine St. Anton und St. Jakob wieder provisorisch vereinigt, da viele Musikanten eingerückt waren und keine der beiden Kapellen mehr alleine spielfähig war. Den Kassabucheintragungen während des Krieges ist zu entnehmen, daß den im Felde stehenden Musikanten Weihnachtspakete von den Musikkameraden zugesandt wurden und so 1940 15 Pakete und 1941 16 Pakete versandt wurden. Interessant auch die Aufzeichnung, daß für die restlich in St. Anton verblieben Musikanten Standschützenbeiträge zu bezahlen waren und an mehreren Kreisschießen teilgenommen werden mußte. Insgesamt wurden 240 Männer aus unserer Gemeinde zum Kriegsdienst eingezogen und 86 von ihnen sind gefallen. Die Gemeinde zählte zu Kriegsbeginn 1470 Einwohner.

  • Nachkriegszeit und Wiederaufbau (1945 - 1968)

    1945 war es dann wieder Gründungsmitglied Emil Dellasega der auf Betreiben von Eugen Haueis und des Fotografen Fritz Schubert die Musikkapelle erneut reorganisierte und auch wiederum die provisorische Leitung der Kapelle bis 1947 übernahm. Nachdem St. Anton französisches Be-satzungsgebiet war, und der franz. Hochkommissar General Betouard auch vorerst in St. Anton wohnte, wurde die Musikkapelle St. Anton mehrmals eingeladen, für die franz. Besatzungsmacht Ständchen darzubringen und auch 1945 bei der Einweihung des franz. Kriegsdenkmales am Mooserkreuz mitzuwirken. Als besondere Ehre wurde es empfunden bereits am 23.6.1945 von General Betouard nach Lindau eingeladen zu werden, um für den Sultan von Marokko ein Ständchen darzubringen. Auf der Rückreise von Lindau wurde in Stuben halt gemacht und man genehmigte sich 30 Kaffee zum Preis von S 0,40 pro Tasse. Eine weitere Einladung der Franzosen führte unsere Musikanten am 2.10.1945 nach Landeck, um am dortigen Bahnhof den Orientexpress empfangen zu können. Teilgenommen wurde 1945 auch an einer Südtirol Kundgebung in Landeck. Eine Selbstverständlichkeit war es in den Nachkiegsjahren auch, alle „Heimkehrer“, welche oft nach langer Kriegsgefangenschaft wieder nach St. Anton zurückkehrten, musikalisch am Bahnhof zu empfangen - letztmalig am 30.12.1949 für den Heimkehrer Rudolf Gomperz. Im Frühjahr 1947 kehrte erstmalig aus den USA wieder Altobmann Hannes Schneider nach St. Anton zurück, die Gemeinde und auch die Musikkameraden unter Emil Dellasega bereiteten „Hannes“ einen herzlichen Empfang. Am 21.11.1948 wurde Hannes Schneider einstimmig zum Ehrenobmann der Musikkapelle St. Anton ernannt. Obmann seit 1945 war Bürgermeister Hermann Schuler. 1947 übernahm Oberlehrer Franz Salzmann die Leitung der Musikvereines St. Anton von seinem Schwiegervater Emil Dellasega und die erste offizielle Generalversammlung fand am 27.9.1947 im Gasthof Post statt, wobei der Vorkriegs Musikausschuß und die älteren aktiven Musikanten anwesend waren. Die Zeit ist geprägt vom Wiederaufbau der Kapelle und viele Jugendliche konnten zum Beitritt zum Musikverein animiert werden und bildeten jahrzehntelang den Grundstock der Musikkapelle und ein Musikant aus diesen Tagen – Mussak Erwin – ist heute nach 55 Jahren immer noch aktives Mitglied unserer Musikkapelle.

     

    Am 12. November 1950 wurde im Hotel Post das 50 jährige Bestandsjubiläum der Musikkapelle St. Anton gefeiert. Im Zentrum dieser Feierlichkeiten stand aber Gründungsmitglied Emil Dellasega , der als Dank für seine großen Verdienste um den Bestand der Musikkapelle an diesem Abend von seinen Musikkameraden einstimmig zum „Ehrenkapellmeister“ ernannt wurde. Die Nachkriegszeit ist geprägt von vielen Ausrückungen für hohe Persönlichkeiten die nunmehr wieder vermehrt in St. Anton ihren Urlaub verbrachten. Die Zeit ab 1947 ist sehr ausrückungs intensiv, und es werden bis zu 60 Ausrückungen gezählt. 1948 nahm die Kapelle auch am Bezirkswertungsspiel in Landeck teil. Abgehalten wurden jährlich auch wieder ein Musikball, ein Faschingsball, ein Preisjassen, ein Er- und Sie Rennen und natürlich wieder die Waldfest in der Au. 1952 ging man dann auch an die Anschaffung der dritten heute noch getragenen Tracht, nachdem die alte aus dem Jahre 1927 lt. schriftlichen Aufzeichnungen buchstäblich vom Leib zu fallen drohte. Bei der Fronleichnamsprozession am 12.6.1952 wurde die neue Tracht das erste mal in der Öffentlichkeit präsentiert und auch der offizielle Name von „Musikverein St. Anton“ wurde auf „Musikkapelle St. Anton“ geändert. Obmann von 1950 bis 1953 war Kaufmann und spätere Bürgermeister Sailer Othmar, der am Zustandekommen der „Neuen Tracht“ maßgeblich beteiligt war und bei der Gründung des Arlberger Musikfestes mitgewirkt hat. Geprägt ist diese Zeit aber auch vom touristischen Aufwärtsstreben von St. Anton und die Eröffnungen der neuen Seilbahnen auf die Valluga, Gampen und Kapall werden von uns musikalisch bestritten. 1954 legt Kapellmeister Salzmann aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder und es folgt bis 1956 die erste Kapellmeisterperiode von August Grillmeier. Der Mitgliederstand in dieser Zeit lag bei 37 aktiven Musikanten. Im März 1956 sterben zwei große Musikpersönlichkeiten der Gemeinde und im Beisein unserer Musikkapelle wird in St. Anton am 3.3. 1956 Kapellmeister Salzmann Franz und tags darauf in St. Jakob Kapellmeister Heinrich Keim zu Grabe getragen.

     

    1956 übernimmt der Lehrer und heutige Bürgermeister Herbert Sprenger das Amt des Kapellmeisters und sollte dies volle zwanzig Jahre bis 1976 inne haben. Unter Herbert Sprenger erfolgt 1959 die Neuanschaffung der Musikinstrumente mit „tiefer Stimmung“, Kosten für die Umstellung S 105.000,--. 1959 wird auch das erste Zeltfest in St. Anton abgehalten. Neben der Brigademusik Innsbruck traten auch die Fidelen Inntaler auf und maßgebliche Herren der Gemeindeführung betrachten ein Zeltfest als großes Wagnis.. Kurz angemerkt, das 1. Zeltfest wurde zu einem großen Erfolg und wird heute noch im zwei Jahres Rhythmus abwechselnd mit der Schützenkompanie durchgeführt.

     

    Besorgnis um den Bestand der Kapelle wird in der Generalversammlung 1957 geäußert, nachdem in den vergangenen zwei Jahren 15 Musikanten ausgeschieden sind und derzeit nur mehr 25 aktive Mitglieder zu verzeichnen sind und Altobmann Schuler Walter gar die Wiedervereinigung der Musikkapellen St. Anton und St. Jakob anregte. Die Obmannstelle von 1953 bis 1967 bekleidet unser unvergessene Ehrenobmann Haueis Eugen, der mit Beschluß der Generalversammlung vom 2.12.1967 einstimmig zum Ehrenobmann ernannt wurde. Ebenfalls wird in dieser Versammlung beschlossen, daß alle Musikanten in Zukunft mit 40 jähriger Mitgliedschaft zu Ehrenmitgliedern ernannt werden, und Mussak Josef, Spiss Alois, Haueis Eugen und Schranz Adolf soll als erste diese Ehre zu Teil werden

  • Aufschwung und Festigung (1968 - 1983)

    Von 1967 bis 1992 liegen die Geschicke unseres Vereines in den Händen des Obmannes Spiss Siegfried. Besonderheiten in diesen Jahren sind mehrere unvergessene Werbereisen mit Hospizwirt Adi Werner und die Einladungen von Fam. Dr. Walter Schön nach Wien mit Live Auftritten bei Autofahrer unterwegs und Empfang bei Bundeskanzler Dr. Kreisky im Bundeskanzleramt. 1980 nimmt die Musikkapelle am Blumendefilee zu Ehren von Königin Juliane der Niederlande in Holland teil. Musikalisch ist die Musikkapelle in diesen Jahren in der Mittelstufe angesiedelt und gewisse Nachwuchssorgen sind hin und wieder festzustellen. Geprägt ist diese Zeit aber auch durch den Bau des Musikpavillons, die Anschaffung der Musikfahne sowie der lang ersehnte Wunsch des Neubaues des Musikprobelokales im Arlberghaus. Mit Schweiger Johann und Traxl Franz sterben 1972 die letzten zwei Gründungsmitglieder der Musikkapelle St. Anton. Stand der Musikkapelle betrug 1972 38 Musikanten, 2 Marketenderinnen und 1 Fähnerich. Auch die Abwicklung der Zeltfeste beanspruchen den Obmann und die Musikanten zusehends mehr, aber Dank der guten Kameradschaft und Einsatz aller Mitglieder sind diese Feste bis heute von Erfolg gekrönt. Seit 1977 finden auch Mädchen erstmalig Aufnahme bei der Musikkapelle. Von 1977 bis 1982 folgt die zweite Kapell-meisterperiode von Grillmeier Gustl - der 1982 zum Dank für seine geleistete Arbeit einstimmig zum Ehrenkapellmeister ernannt wird. 1980 zählt der Verein 50 Mitglieder.

  • Neuzeit bis dato (ab 1983)

    1983 übernimmt Hauptschullehrer Serafin Öttl das Amt des Kapellmeisters und es kann als absoluter Glücksgriff bezeichnet werden, daß Serafin zur Übernahme dieses Postens bereit war. Es erfolgte eine grundlegende Umstrukturierung der musikalischen Arbeit und parallel dazu wurde massiv die Jugendausbildung forciert. Mit der Installierung der Landesmusikschule samt Exepositur in St. Anton, steigt das musikalische Niveau der dort ausgebildeten Jungmusiker merklich an und viele Prüfungen zum bronzenen und silbernen Jungbläserabzeichen werden abgelegt. Die ersten zwei goldenen Jungbläser Leistungsabzeichen werden von den Söhnen des Kapellmeisters erspielt. 1990 wird das 90 jährige Bestandsjubiläum der Kapelle würdig gefeiert, leider fällt der große Festumzug einem Gewittersturm zum Opfer. Im Jänner 1992 wird Mall Helmut zum Obmann gewählt und Spiss Siegfried wird nach 25 jähriger Tätigkeit als Obmann einstimmig zum Ehrenobmann ernannt. Es folgt eine bis heute äußerst aktive Zeit in Sachen Kameradschaft und Reisen, die die Musikkapelle St. Anton auf dem Luftweg um den halben Erdball bringen sollte. Der Mitgliederstand wächst auf den Höchststand von 66 Aktive, wobei auch bisher fehlende Instrumente wie Flöten, Oboe, Pauken, Xylophon usw. bald in der Kapelle Verwendung finden. Ab 1987 werden vom Kapellmeister die Frühjahrskonzerte eingeführt und das musikalische Niveau der Kapelle steigt stetig an. 1995 wird von der Musikkapelle St. Anton auch das Konzertwertungsspiel des Bezirkes im Arlbergsaal abgehalten und mit 95 Punkten in der Oberstufe erspielen wir auch die höchste Wertung dieser Veranstaltung. Im August folgt dann auch das Bezirksmusikfest in St. Anton, an welchem über 1000 Musikanten aus unserem Bezirk teilnehmen. 1996 wird die erste CD produziert und im Rahmen des Frühjahrskonzertes 1996 werden die Ehrenmitglieder Mussak Erwin, Scherl Franz und Schranz Arnold für 50 jährige Mitgliedschaft geehrt. Martin Hafele widmet ihnen den „Marsch der Jubilare“ der in kleiner Besetzung an diesem Abend uraufgeführt wird. Am 24. 12. 1996 verstirbt unser Ehrenmitglied und 1 Flügelhornist Arnold Schranz und eine Musiklegende wird am 27.12.1996 von seinen Musikkameraden zu Grabe getragen. Mit der Teilnahme am Landeswertungsspiel in Imst (Oberstufe C) und bei der ORF Blasmusiksendung „Das Platzkonzert“ folgt 1997 ein weiterer musikalischer Höhepunkt. Die Zahl der Ausrückungen in den 90iger Jahren liegt durchschnittlich bei 50 und 80 Voll- und Teilproben werden abgehalten. Die Serie der hervorragenden Wertungsspiele konnte auch im Jahre 2000 fortgesetzt werden und im Kaunertal wurde landesweit die höchste Punktezahl mit 95,5 Punkten in der Kategorie Oberstufe C erspielt. Ab 1996 folgen bedingt durch den Zuschlag der ALPINEN SKI WM 2001 viele Ausrückungen für hohe Politiker und als Höhepunkt ist die musikalische Begegnung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bei der SKI WM 2001 zu nennen. Aber auch viele Feierlichkeiten der WM bedingten Bahnverlegung nach Süden gilt es zu umrahmen und unvergessen wird aber der Empfang des letzten Zuges am alten Bahnhof am 9.9.2000 um 05.34 Uhr bleiben, an dem die Musikkapelle fast vollzählig ausgerückt ist. Aktiv ist die Kapelle auch in Sachen Weiterbildung und so besuchten mehrere Musikanten bisher Kapellmeisterlehrgänge und unsere Jugend nimmt am jährlichen Jungbläsereminar in Prutz selbstverständlich teil. Stark vertreten ist die Musikkapelle St. Anton auch im Bezirksausschuß und es werden dort die Positionen Bezirks Obmann Stv., Schriftführer und Beirat durch Mall Helmut, Schranz Paul und Öttl Serafin belegt.

     

    Im Jubiläumsjahr besteht die Musikkapelle aus 60 aktiven Mitgliedern (11 Damen und 49 Herren) Das jüngste Mitglied ist 13 Jahre, das älteste 75 Jahre und 31 JungmusikantenInnen stehen in Ausbildung. Nach wie vor wird auf die Pflege der Kameradschaft besonderer Wert gelegt und im Jubiläumsjahr sind neben den zahlreichen normalen Ausrückungen viele Aktivitäten geplant. So wurde beim Frühjahrskonzert bereits eine neue CD vorgestellt und auch eine neue Fahne wird beim dreitägigen Jubiläumsfest im August geweiht werden. Ebenso findet ein Festschießen zu unserem Jubiläum statt und ein Festakt im Herbst mit Freunden und Gönnern der Musikkapelle soll das Jubiläumsjahr abschließen.